Die weltweit einzigartige pädagogische Initiative für den Elementar-, Primar- und Heimbereich

Projektbericht der Fritz-Reuter-Schule (Förderschule Lernen)

Sehr geehrter Herr Schreiber, wir danken Ihnen, dass wir mit unseren Schülern von Ihrer Arbeit profitieren durften. Schach hat sich an unserer Schule zu einem beliebten Selbstläufer entwickelt. Wir erleben Motivation, Konzentration, Ausdauer und ein gutes Miteinander. Bei unseren Schülern ist nichts davon selbstverständlich und darum ein tolles Ergebnis. Das Programm ist zum Einsatz in Förderschulen Lernen und im Rahmen von Inklusion auch in Grundschulklassen mit Förderkindern sehr gut und zielführend einsetzbar. Die Schülerinnen und Schüler unserer Unterstufe kommen mit umfassenden Entwicklungsverzögerungen in vielen grundlegenden Bereichen der Lernvoraussetzungen In unsere Schule. Konzentration, Wahrnehmung, Merkfähigkeit, Raumgefühl, logisches Denken und motorische Fähigkeiten sind nicht altersgemäß entwickelt. Oft fällt es vielen schwer, in Ruhe bei einer Sache zu bleiben und angemessen mit den anderen Kindern umzugehen. Gemeinsame Gesellschaftsspiele kennen einige aus dem Kindergarten. Nicht alle waren dort. Wir arbeiten umfassend und ganzheitlich an einer basalen Förderung, um die Grundvoraussetzungen des Lernens zu entwickeln und Neugier und Lernfreude zu erhalten oder zu wecken. Das Projekt « Schach für Kids » erschien uns im Frühjahr 2012 als hervorragende motivierende Möglichkeit unsere Kinder in vielen Bereichen gut zu fördern und sie ganz nebenbei ein wunderbares Spiel erlernen zu lassen. Obwohl oder gerade weil es eigentlich für den Elementarbereich konzipiert ist, schien es dem individuellen Förderbedarf vieler Kinder unserer Klassen 1 bis 4 zu entsprechen. Am 14.03.2012 konnte unsere Mitarbeiterin die Fortbildung in Dortmund besuchen. Mit dem gesamten Material und voller Begeisterung kam sie zurück in die Schule. Sie begann in Schülergruppen mit zwei oder vier Kindern unserer damaligen Klasse 2 mit der Programmdurchführung.

Die Kinder waren begeistert.

Unseren emotional verarmten Mädchen und Jungen tut es immer gut, wenn wir Gelegenheit haben, ihnen in sehr kleinen Gruppen ein Angebot zu machen, aber hier waren alle sehr deutlich erkennbar sofort von der Sache begeistert. Die Materialien sind absolut passgenau. Jeder hat sein eigenes Heft. Erfolge werden erkennbar und vorzeigbar verstärkt (Sticker). Das macht stolz und tut dem bei vielen nicht vorhandenen Selbstwertgefühl so gut. Die abwechslungsreiche Gestaltung der Aufgaben, Spiel- und Lernschritte fördert alle Bereiche und die Kinder bearbeiten/erspielen sie mit Begeisterung, z.T. erstaunlich entspannt und mit wachsendem Selbstbewusstsein. Die feinmotorischen Fertigkeiten und das Raumlagegefühl verbesserten sich bei einigen Kinder bereits in den ersten Wochen auffallend. Nur für unsere kognitiv schwächsten Kinder, deren Entwicklung sich im Grenzbereich zur geistigen Behinderung befindet, ist das Programm im Bereich des logischen Denkens eine Überforderung, alle anderen machten gute Entwicklungsfortschritte. Zunächst organisierten wir wöchentlich für jede Gruppe zwei Schacheinheiten von jeweils 30 bis 45 Minuten. Alle freuten sich immer darauf, endlich wieder dran zu sein.

Das Programm wurde über ein bis drei Monate hinweg mit den Kindern schrittweise und z.T sehr kreativ erarbeitet. Individuelles Arbeitstempo, Spielfreude und Lernfortschritte ließen die Gruppen unterschiedlich schnell voran kommen. Immer war eine Möglichkeit vorhanden, dem individuellen Lernstand zu entsprechen. Eine recht leistungsstarke Gruppe entwarf am Ende ein eigenes Schachbrett mit originell gestalteten Spielfiguren. Leistungsschwächere hatten zur «Entspannung» immer wieder Freude daran, die Abbildungen der einzelnen Spielfiguren mit Farben, die ihrer Rolle im Spiel entsprechen, auszumalen. Die Königin bekam oft Pink und Gold. Die Farben des Pferdes erinnerten oft an ein Clownkostüm. Besonders interessant für uns Sonderpädagogen waren die Entwicklungsfortschritte eines autistischen (Asperger) Schülers, der kurze Zeit nach dem Schachprojekt in die Klasse kam. Das Schach schnell das Richtige für ihn sein würde, hatte wir uns wegen der Teilleistungsstärken im logischen Denken und in der Raum-Lage Wahrnehmung schon gedacht. Dass das Schachspiel seine Brücke zu den anderen Kindern werden würde, war eine sehr positive Überraschung. Das Arbeitsheft arbeitete er sehr motiviert, selbständig und schnell durch. Störende Anleitung brauchte und wollte er nicht. Zum Spiel ordneten wir ihm zunächst seine Integrationshilfe zu. Schnell brauchte er sie nicht mehr und er sagte ihr, sie solle in der Klasse bleiben. Das geschah zu einem Zeitpunkt als er in vielen Situationen des Schulalltags ihre Nähe noch suchte und als Sicherheit gebende Unterstützung brauchte. Beim Schach kam er allein klar. Hierbei sagte er auch zum ersten Mal, mit wem er spielen wollte und suchte sich dabei gezielt die Kinder aus, die es schon gut konnten.

Beeindruckend für die anderen, besonders die muslimischen Jungen war dabei, dass er auch sehr gern mit Mädchen und mit Kindern spielte, die in der Gruppe eher eine Randstellung hatten. Insgesamt hat sich das Miteinander in der Lerngruppe durch das Projekt positiv entwickelt. Beim Schach können z.T. diejenigen glänzen, die keine Vormachtstellung durch Imponiergehabe inne haben. Das tut diesen Kindern sehr gut und die anderen erkennen es an. Heute, fast anderthalb Jahre später ist das Schachspiel ein fester Bestandteil des Schulalltages. Einige nutzen es morgens früh, wenn sie nach den häuslichen Erlebnissen der Nacht erstmal zur Ruhe kommen müssen, um sich auf Rechnen, Schreiben, Lesen einlassen zu können. Andere wählen es sehr gern in freien Spielzeiten. Immer mal wieder ist es verbindliche Spielaufgabe des Wochenplans. Wenn zwei dann der Ruhe wegen mal wieder auf dem Flur spielen, bleiben Vorbeikommende gern stehen und schauen zu. Ältere Schüler sagen oft : » Wir wollen auch. »

Im kommenden Schuljahr werden wir im Wahlpflichtbereich der Klassen 6 bis 9 ein entsprechendes Angebot machen. Teile des Programms « Schach für Kids » werden wir dabei auch für die Älteren nutzen. Außerdem möchten wir im kommenden Schuljahr den neuen Klassen zwei und drei das tolle Programm anbieten.

Sabine Thomas 
stellv. Schulleitung

„Aber weil sie wussten, dass sie ungefähr gleich stark waren, haben sie gefragt: Mensch hast du nicht Lust, mit mir Schach zu spielen?“

Pädagogin aus Bochum

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