Erfahrungsbericht eines „Schach für Kids“-Kindergarten

2020-05-21T16:40:09+02:0021. Mai 2020|

Unsere Lehrmethode wird in tausenden von Bildungseinrichtungen eingesetzt. Als Hilfe für die Einrichtungen die die SfK-Lehrmethode neu einsetzen, bitten wir schon mal darum, uns einen Erfahrungsbericht zukommen zu lassen. Da die betroffenen Mitarbeiter ohnehin wenig Zeit haben, freuen wir uns über jeden Erfahrungsbericht den wir bekommen können. Aktuell hat uns der Bericht von Susanne Michels, Leiterin des Kindergartens Bentlakestraße aus Hövelhof aus dem Kreis Paderborn, erreicht. Dieser beschreibt sehr anschaulich die Einführungsphase der Lehrmethode. Viel Spaß beim lesen:

Wir sind der Kindergarten Bentlakestraße aus Hövelhof, Kreis Paderborn, eine kommunale Einrichtung mit zurzeit vier Gruppen für Kinder zwischen 2 und 6 Jahren. Durch das Bundesprojekt Sprachkita „Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist“ sind wir auf „Schach für Kids“ aufmerksam geworden und hatten das Glück, im September 2019 mit drei Kolleginnen an einer Fortbildung für pädagogische Fachkräfte in der „Junior-Uni“ in Wuppertal teilnehmen zu können. Die einen mit Vorkenntnissen, die andere mit dunklen Kindheitserinnerungen an das Schachspiel, aber eins hatten wir gemeinsam: Die Erwartungshaltung und die Neugierde auf das Projekt.
Nach der persönlichen Begrüßung und Hintergrundinformationen durch Ralf Schreiber ging es ziemlich schnell an die Schachbretter. Und schon nach den ersten praktischen „Duellen“ auf dem Schachbrett stand für uns als Kolleginnen fest, dass wir uns dieses Projekt für unsere Kinder in der Kita sehr gut vorstellen können, am besten sofort. Die Fortbildung in Wuppertal wurde unterstützt vom „Round Table Wuppertal“, der für alle Wuppertaler Bildungseinrichtungen auch die Materialien in Form von Starter-Paketen zur Verfügung stellte. Auch wir wurden, nach kurzer Rücksprache, mit einem Starter-Paket versorgt und sind dem RT Wuppertal dafür immer noch sehr dankbar. Schwer beladen konnten wir also am Ende dieses Tages wieder den Heimweg nach OWL antreten. In wenigen Tagen stellten wir erste Überlegungen zum Projektablauf zusammen, um sie unserem Träger vorzustellen.
Auch da stießen wir auf große Begeisterung und erhielten zusätzliche Unterstützung durch einen Sponsor aus unserer Gemeinde. Ihm stellten wir bei einem Besuch in der Kita das Projekt „Schach für Kids“ vor.
Ihn hat der Ansatz von „Schach für Kids“ ebenfalls überzeugt und er erklärte sich bereit in Zukunft die Arbeitshefte der Kinder und weitere benötigte Materialien zu finanzieren. Die Freischachplane mit den dazugehörigen Schachfiguren aus dem Online Shop des Vereins gab es als Start-Geschenk dazu.
Nun wurde es ernst. Drei begeisterte Kolleginnen, ein informiertes Gesamtteam, ein erwartungsvoller Träger, ein Sponsor: es war vorbereitet.
Es fehlten nur noch: die Kinder!
Würden sie das Projekt annehmen und mögen? Die Arbeit in den Heften: Nicht doch zu anspruchsvoll für 4-6-jährige Kinder? Wir waren gespannt und vor dem praktischen Start auch ein wenig nervös aber glücklich als es losgehen konnte. Im Hinblick darauf, dass für die künftigen Schulkinder bereits viele Projekte geplant waren, beschlossen wir die erste Projektphase mit den Kindern zu starten, die in zwei Jahren eingeschult werden. An jedem Donnerstag sollte künftig Schach-Tag sein, 18 Kinder in zwei Gruppen aufgeteilt erhielten eine Einladung zur Teilnahme. Ein Maskottchen für die Gruppe war auch schnell gefunden. Eine Farbenkönig-Handpuppe erhielt kurzerhand eine schwarz-weiße Schärpe im Schachbrettmuster und wurde zum Schachkönig unserer Einrichtung befördert. Er holte die Kinder zu den einzelnen Einheiten aus den Gruppen ab und begleitete sie während jeder Schacheinheit begleiten.

Die erste Einheit war für uns als Kolleginnen also besonders spannend. Aber alle Bedenken erwiesen sich als unbegründet. Die Kinder waren von Beginn an begeistert. Ein Teil der Begeisterung folgte aus der Tatsache, dass sie vor den zukünftigen Schulkindern teilnehmen durften. Den weitaus größeren Anteil haben wir jedoch von Beginn an dem Konzept des Projektes zugesprochen. Angefangen bei den ansprechenden Materialien, über den Begriff Schach (das spielt mein Papa immer mit meinem Opa) bis hin zu der Vorstellung der Arbeitshefte. Die Kinder spürten, dass da etwas ganz Besonderes auf sie zukommt.
Stolz folgten sie dem Schachkönig zu der großen Freischachplane und ließen sich anhand des Merksatzes „Der König und die Königin geben dem Läufer eine Nachricht, der springt auf sein Pferd und reitet zum Turm“ und anhand einer Geschichte die Figuren und die Position auf dem Schachbrett erklären. Für alle stand nach dieser ersten Einheit fest: „Schach ist cool“.
Wöchentlich trafen sich von nun an die „Schach-Kinder“ mit dem Schachkönig im Flur, um sich durch das Pädagogen-Heft mit seinen umfangreichen Tipps und das Kinder-Heft mit den abwechslungsreichen Aufgaben zu arbeiten. Oft starteten wir in der ganzen Gruppe an der großen Schachplane um die Theorie der aktuellen Einheit zu besprechen. Dabei wurden die Kinder mehr als einmal auf der großen Schachplane selbst mit Hilfe von Kopfbedeckungen zum Turm oder zum Läufer und schlugen sich erlaubterweise gegenseitig oder sprangen über Pferdeäpfel, die das Pferd (der Springer) hinterlassen hatte.
Im zweiten Teil jeder Einheit ging es dann in Kleingruppen an die Schachbretter, um das Gelernte in Zweier-Teams auszuprobieren. In den Kinder-Heften konnten die Kinder dann ihr Wissen noch in Einzelarbeit vertiefen. An das Arbeiten im Kinder-Übungsheft musste sich so mancher der 4–Jährigen erst einmal gewöhnen. In einer Stunde wollten wir, um zu vermeiden, die Kinder in dieser Einheit zu überfordern, die Arbeit im Heft einmal weglassen. Wir ernteten jedoch enttäuschte Gesichter und mussten sehr spontan, doch noch die passenden Seiten heraussuchen, um die Kinder daran arbeiten zu lassen. Mit der Zeit machte das Arbeiten in den Heften den Kindern so viel Freude, dass es vom Schachkönig jede Woche eine „Hausaufgabe“ gab, die im Laufe der Woche erledigt werden sollte und mit einem Stempel auf der „Königlichen Lobkarte“ belohnt wurde. Zwischen den Schacheinheiten mit dem Schachkönig stand den Kindern in den Gruppen das Material angelehnt an die vorangegangene Schacheinheit zur Verfügung. So konnte jeder nach seinen Interessen alleine, mit anderen Schach-Kindern oder auch mit neugierigen Kindern aus der eigenen Gruppe im Laufe der Woche „Schach spielen“. Selbst die Kleinsten faszinierte es, die Schachfiguren einfach mal aufzubauen und so zu tun, als spielten sie Schach.
Zum Glück schafften wir es noch vor der Corona-Schließung der Kita, mit den Kindern der Schach-AG komplettes Schachspiel zu spielen. Eine kleine Abschlussfeier mit der Überreichung der Urkunden mussten wir leider auf unbestimmte Zeit verschieben.

Der Satz „Schach macht mich glücklich“ von Kindern gesagt im Laufe der Schach-AG bestätigt uns aber, alles richtig gemacht zu haben.